Factoring Rechner

Berechnen Sie Auszahlung, Sicherheitseinbehalt, Factoringgebühr und Zinsen sowie die echten Kosten pro Jahr — und überwachen Sie Finanzierungsrahmen und Regressfristen.

Was dieser Rechner leistet — und die Rechner der Anbieter nicht

Nahezu jeder Factoring-Rechner im Netz gehört einem Anbieter oder einem Vergleichsportal. Gerechnet wird immer dieselbe kleine Formel: Rechnungsbetrag mal Gebührensatz mal Auszahlungsquote. Damit fehlen genau die zwei Dinge, die in der Praxis die Liquiditätsplanung sprengen.

Das erste ist der Zeitpunkt. Factoring zahlt zweimal aus, nicht einmal: zuerst die Bevorschussung, dann den Sicherheitseinbehalt abzüglich der Kosten, sobald Ihr Kunde tatsächlich zahlt. Das sind zwei getrennte Zahlungseingänge, oft sechs bis zehn Wochen auseinander. Wer beides zu einer Zahl zusammenfasst, plant mit einer Liquidität, die es an diesem Tag nicht gibt.

Das zweite ist die Regressfrist. Bei unechtem Factoring gilt: zahlt Ihr Kunde nicht innerhalb der vereinbarten Frist, fällt die Forderung aus dem Finanzierungsrahmen. Es platzt keine Buchung, es kommt kein Brief — die Zahl im Portal des Factors sinkt einfach. Der Reiter „Rahmen-Überwachung“ rechnet genau das aus Ihrer eigenen offenen-Posten-Liste nach.

Echtes und unechtes Factoring — der entscheidende Unterschied

Beim echten Factoring übernimmt der Factor das Ausfallrisiko (Delkredererisiko). Wird Ihr Kunde zahlungsunfähig, ist das das Problem des Factors. Bilanziell ist das ein echter Verkauf: die Forderung geht aus der Bilanz, die Bilanzsumme verkürzt sich und die Eigenkapitalquote verbessert sich — für viele Mittelständler der eigentliche Grund für Factoring, unabhängig von der Liquidität.

Beim unechten Factoring bleibt das Ausfallrisiko bei Ihnen. Wirtschaftlich ist das eine Kreditgewährung gegen Forderungsabtretung; die Forderung bleibt in der Bilanz, der Vorschuss wird als Verbindlichkeit ausgewiesen. Der bilanzielle Effekt entfällt damit vollständig.

In Deutschland dominiert echtes Factoring, aber prüfen Sie Ihren Vertrag: „Delkredererisiko“, „Regress“ und „Rückbelastung“ sind die Stichwörter. Wichtig für die Praxis: auch beim echten Factoring trägt der Factor nur die Zahlungsunfähigkeit, nicht die schlichte Zahlungsverzögerung und nicht bestrittene Forderungen. Ein Kunde, der aus Streit nicht zahlt, bleibt Ihr Fall.

Wie sich die Kosten in der Schweiz zusammensetzen

Schweizer Factoringverträge folgen der zweiteiligen Struktur, weshalb ein Vergleich über einen einzigen Prozentsatz in die Irre führt.

Die Factoringgebühr ist ein Prozentsatz vom Umsatz, üblich zwischen 0,5 % und 2,5 %. Sie fällt auf jede eingereichte Rechnung an, unabhängig davon, ob Sie den Vorschuss abrufen.

Der Zins wird nur auf die tatsächlich beanspruchten Mittel berechnet, meist als Aufschlag auf den SARON, taggenau abgerechnet. Weil das Schweizer Zinsniveau strukturell tief liegt, wiegt dieser Block hier weniger als im Euroraum — was den Vergleich verschiebt: die Factoringgebühr wird zum dominierenden Kostenfaktor, nicht der Zins.

Dazu kommen Positionen, die im Angebotssatz nicht auftauchen: Einrichtungsgebühr, Prüfgebühren pro Debitor, Kosten für Eilzahlungen und Gebühren für Forderungen jenseits der Regressfrist. Zwei Schweizer Besonderheiten: der Markt ist klein, es gibt entsprechend wenige Anbieter, und Fremdwährungsforderungen aus dem Export in den Euroraum werden häufig zu einer niedrigeren Auszahlungsquote finanziert oder mit einem separaten Limit versehen. Tragen Sie feste Kosten im Rechner separat ein — bei kleinen Rechnungsbeträgen wiegen sie schwerer als der Zinssatz.

Die Jahreskosten — die einzige vergleichbare Zahl

1,8 % klingen neben einem Kontokorrentkredit von 9 % p. a. günstig. Vergleichbar sind die Zahlen nicht: die 1,8 % kaufen rund 45 Tage Liquidität, die 9 % ein ganzes Jahr.

Annualisieren Sie: Gesamtkosten geteilt durch den tatsächlich erhaltenen Betrag, multipliziert mit 365 geteilt durch die Tage der Kapitalbindung. Eine Rechnung über 50.000 € mit 90 % Auszahlung, 1 % Factoringgebühr und 7 % Zinsen bei 45 Tagen kostet 888 € — das sind 1,8 % der Rechnung, aber etwa 16 % pro Jahr. Diese Zahl gehört neben Ihren Kontokorrentzins.

Das ist kein Argument gegen Factoring. Es skaliert mit dem Umsatz statt mit Sicherheiten, es entlastet das Mahnwesen, und beim echten Factoring kaufen Sie zusätzlich Ausfallschutz und einen Bilanzeffekt, den ein Kredit nicht liefert. Aber Sie sollten wissen, welche Zahl Sie womit vergleichen — und der Rechner zeigt beide.

Die Regressfrist: hier entstehen die Überraschungen

Auch wenn der Factor das Ausfallrisiko trägt, ist die Frist nicht unbegrenzt. Üblich sind 90 bis 150 Tage, und deutsche Verträge formulieren sie meist ab Fälligkeit, nicht ab Rechnungsdatum. Bei 30 Tagen Zahlungsziel und 120 Tagen Frist reden wir also über 150 Tage ab Rechnungsstellung — wer ab Rechnungsdatum rechnet, verschätzt sich um einen Monat.

Läuft die Frist ab, wird die Forderung nicht mehr finanziert. Ihre Verfügbarkeit sinkt um den Rechnungsbetrag mal Auszahlungsquote, und bei unechtem Factoring wird der Vorschuss zurückbelastet — meist verrechnet mit dem nächsten Abruf.

Ein Kunde, der drei Wochen zu spät zahlt, ist damit nicht nur ärgerlich. Überschreitet die Rechnung die Frist, verschwindet ein fünfstelliger Betrag aus dem Rahmen, häufig in derselben Woche, in der die Löhne fällig sind. Genau dafür ist das Fristen-Board gedacht: es listet jede Forderung nach Restlaufzeit und zeigt, wie viel Finanzierung daran hängt.

So berechnet Ihr Factor den verfügbaren Rahmen

Die Zahl im Portal ist nicht Ihr Forderungsbestand mal Auszahlungsquote — deshalb liegt sie fast immer unter der Erwartung. Es ist eine Kette von Abzügen, und die Reihenfolge ist entscheidend.

Zuerst die angekauften offenen Forderungen. Davon ab die nicht finanzierbaren: Forderungen jenseits der Regressfrist, bestrittene Forderungen, je nach Vertrag auch Auslandsdebitoren, verbundene Unternehmen oder Debitoren über ihrem Limit. Es bleibt der finanzierbare Bestand.

Darauf wird die Debitorenkonzentration angewendet. Übliche Grenzen liegen bei 20 % bis 30 % pro Debitor; alles darüber fällt heraus. Entscheidend: die Grenze bemisst sich am Bestand nach Abzug der nicht finanzierbaren Posten. Eine überfällige Rechnung an Kunde A kann so den Bestand verkleinern und Kunde B über die Konzentrationsgrenze schieben — zwei Abzüge aus einem Ereignis.

Das Ergebnis mal Auszahlungsquote, begrenzt durch Ihr Limit, minus des bereits abgerufenen Betrags: das ist der verfügbare Rahmen. Der Rechner zeigt jeden Abzug mit Begründung — die Information, die die Abrechnung Ihres Factors Ihnen nicht liefert.

Nutzung ohne Bankanbindung — und warum das so gewollt ist

Es gibt hier keine Bankschnittstelle und keine Anbindung an den Factor. Beim stillen Factoring würde ein Bankkonto-Abgleich auch nicht helfen: Ihre Kunden zahlen auf ein Konto, über das der Factor verfügt, und auf Ihrem Auszug erscheinen nur Sammelüberweisungen, die keiner einzelnen Rechnung zuzuordnen sind.

Die beiden Datenquellen, die die relevanten Fragen beantworten, sind Ihre offenen Posten und eine Zahl aus der Abrechnung des Factors. Also: Konditionen einmal aus dem Vertrag übernehmen, offene Rechnungen aus DATEV, Lexware, sevDesk oder Xero als CSV importieren (die Spalten ordnen Sie nach dem Upload zu) und den aktuell abgerufenen Betrag eintragen. Danach markieren Sie bezahlte Rechnungen — wenige Minuten pro Woche.

Das Werkzeug lernt dabei mit: sobald einige Rechnungen als bezahlt markiert sind, ermittelt es je Debitor die tatsächliche durchschnittliche Zahlungsdauer und rechnet damit weiter — ein Kunde mit 30 Tagen Zahlungsziel, der real nach 52 Tagen zahlt, wird auch mit 52 Tagen geplant. Alle Daten bleiben in diesem Browser; mit der Sicherungsdatei wechseln Sie das Gerät.

Übliche Konditionen in Deutschland

PositionTypischer BereichWas sie beeinflusst
Auszahlungsquote80 % – 90 %Branche, Debitorenbonität und Qualität des Forderungsbestands. Der Rest wird als Sicherheitseinbehalt zurückgehalten.
Factoringgebühr0,3 % – 2,5 % vom UmsatzJahresumsatz, Rechnungsanzahl, durchschnittlicher Rechnungsbetrag und Umfang des Debitorenmanagements.
ZinssatzSARON + 2 % – 4 %Bonität und Zahlungsdauer Ihrer Kunden. Taggenau auf die abgerufenen Mittel; tiefes Zinsniveau.
Regressfrist90 – 150 TageMeist ab Fälligkeit gerechnet, nicht ab Rechnungsdatum — im Vertrag prüfen.
Debitorenkonzentration20 % – 30 % je DebitorDiversifikation Ihres Bestands. Häufigste Ursache unerwarteter Rahmenkürzungen.
Einrichtungsgebühreinmalig, verhandelbarFacilitygröße und Prüfungsaufwand. Bei kleinen Volumina oft der größte Einzelposten.

Marktübliche Bandbreiten zur Plausibilisierung eines Angebots, kein Angebot. Verbindlich sind Ihr Factoringvertrag und die Abrechnung Ihres Factors.

Echtes Factoring, unechtes Factoring und Kontokorrent

Echtes FactoringUnechtes FactoringKontokorrentkredit
Ausfallrisikobeim Factorbei Ihnenbei Ihnen
BilanzwirkungForderung geht ab, Bilanz verkürzt sichkeine — Vorschuss ist Verbindlichkeitkeine — Verbindlichkeit
Kostenhöher (Risikoübernahme inklusive)niedrigerZins auf den genutzten Betrag
Volumenwächst mit dem Umsatzwächst mit dem Umsatzfeste Linie, muss neu verhandelt werden
Sicherheitendie Forderung selbstdie Forderung selbstmeist zusätzliche Sicherheiten
Debitorenmanagementhäufig beim Factormeist bei Ihnenbei Ihnen

Häufige Fragen zum Factoring

Was kostet Factoring in Liechtenstein?

Die Konditionen entsprechen weitgehend dem Schweizer Markt: Factoringgebühr von 0,5 % bis 2,5 % vom Umsatz plus Zinsen von etwa 2 % bis 4 % über SARON. Bei einer Rechnung über 50.000 CHF und 45 Tagen Zahlungsdauer liegen die Gesamtkosten häufig zwischen 400 CHF und 1.100 CHF, also etwa 7 % bis 18 % pro Jahr.

Was ist der Unterschied zwischen echtem und unechtem Factoring?

Beim echten Factoring übernimmt der Factor das Ausfallrisiko; die Forderung geht aus Ihrer Bilanz, was die Eigenkapitalquote verbessert. Beim unechten Factoring bleibt das Risiko bei Ihnen, die Forderung bleibt in der Bilanz und der Vorschuss wird als Verbindlichkeit ausgewiesen. In Deutschland ist echtes Factoring der Standard, aber der Vertrag entscheidet.

Wie hoch ist die Auszahlungsquote üblicherweise?

Meist 80 % bis 90 % des Rechnungsbetrags. Der Rest wird als Sicherheitseinbehalt zurückgehalten und nach Zahlungseingang des Kunden abzüglich der Kosten ausgezahlt. Höhere Quoten sind bei guter Debitorenstruktur möglich; neue Verträge starten häufig niedriger.

Was ist der Sicherheitseinbehalt?

Der Teil der Forderung, den der Factor zunächst nicht auszahlt — bei 90 % Auszahlungsquote also 10 %. Er dient als Puffer für Gutschriften, Skonti, Mängelrügen und Kürzungen. Zahlt Ihr Kunde vollständig, wird der Einbehalt abzüglich der Gebühren freigegeben. Übersteigen die Kosten den Einbehalt, müssen Sie die Differenz zurückzahlen.

Was passiert, wenn mein Kunde zu spät zahlt?

Zunächst zahlen Sie für jeden zusätzlichen Tag Zinsen. Überschreitet die Rechnung die Regressfrist — üblich 90 bis 150 Tage ab Fälligkeit — wird sie nicht mehr finanziert. Ihre Verfügbarkeit sinkt um den Rechnungsbetrag mal Auszahlungsquote, ohne dass eine Buchung entsteht. Genau davor warnt das Fristen-Board in dieser Anwendung.

Warum ist mein Finanzierungsrahmen gesunken, obwohl nichts ausgezahlt wurde?

Meist eine von drei Ursachen: eine Forderung hat die Regressfrist überschritten und ist herausgefallen, ein Debitor hat die Konzentrationsgrenze überschritten, oder eine Forderung ist bestritten. Keiner dieser Fälle erzeugt eine Buchung — der Rahmen wird lediglich neu berechnet. Mit Ihren offenen Posten zeigt der Rechner jeden Abzug mit Begründung.

Was bedeutet Debitorenkonzentration?

Eine Obergrenze dafür, welchen Anteil ein einzelner Debitor am finanzierbaren Bestand haben darf, üblich 20 % bis 30 %. Beträgt der finanzierbare Bestand 100.000 €, die Grenze 30 % und ein Kunde schuldet 50.000 €, fallen 20.000 € aus der Finanzierung. Die Grenze wird nach Abzug der nicht finanzierbaren Forderungen berechnet.

Verbessert Factoring meine Bilanz?

Beim echten Factoring ja: die Forderung verlässt die Bilanz, die Bilanzsumme verkürzt sich und die Eigenkapitalquote steigt — was Ratings und Kreditkonditionen verbessern kann. Beim unechten Factoring tritt dieser Effekt nicht ein, weil die Forderung bilanziert bleibt und der Vorschuss eine Verbindlichkeit ist.

Erfahren meine Kunden vom Factoring?

Beim offenen Factoring ja — auf der Rechnung steht ein Abtretungsvermerk und Ihr Kunde zahlt an den Factor. Beim stillen Factoring nicht: Sie fakturieren und mahnen wie bisher, die Zahlungen laufen auf ein Konto, über das der Factor verfügt. Stilles Factoring setzt in der Regel ein funktionierendes eigenes Debitorenmanagement voraus.

Wie buche ich Factoring in Abacus oder Bexio?

Üblich ist ein Verrechnungskonto für den Factor: die Forderung wird ausgebucht, der Vorschuss als Zahlungseingang erfasst, Gebühren und Zinsen als Aufwand gebucht und der Sicherheitseinbehalt als sonstige Forderung geführt, bis er freigegeben wird. Beim unechten Factoring wird der Vorschuss als Verbindlichkeit ausgewiesen. Stimmen Sie das Schema mit Ihrer Treuhandstelle ab.

Lohnt sich Factoring?

Es hängt von der Alternative ab. Steht die Wahl zwischen annualisiert 15 % bis 20 % und einem verpassten Auftrag oder einer knappen Lohnzahlung, lohnt es sich meist. Ist die Kontokorrentlinie frei und günstiger, ist der Kredit für denselben Zeitraum billiger — der Vergleichsbereich im Rechner rechnet das aus. Beim echten Factoring kaufen Sie zusätzlich Ausfallschutz und Bilanzeffekt.

Braucht das Werkzeug Zugriff auf mein Konto oder meine Buchhaltung?

Nein. Kein Login, keine Bankschnittstelle, keine Anbindung. Sie geben Konditionen und Rechnungen ein — getippt oder als CSV aus Ihrer Buchhaltung — und alles wird im Browser berechnet und nur auf Ihrem Gerät gespeichert. Beim stillen Factoring hülfe eine Bankschnittstelle ohnehin kaum, weil auf Ihrem Auszug nur Sammelüberweisungen des Factors erscheinen.

Werden Fremdwährungsforderungen aus dem Export finanziert?

Häufig ja, aber zu anderen Bedingungen. Rechnungen in Euro oder Dollar erhalten oft eine niedrigere Auszahlungsquote, ein separates Limit oder eine eigene Debitorenprüfung, und die Wechselkursdifferenz zwischen Bevorschussung und Zahlungseingang trägt in der Regel Ihr Unternehmen. Klären Sie vorab, in welcher Währung ausbezahlt wird und wer das Kursrisiko übernimmt.

Welche Anbieter kommen für liechtensteinische Unternehmen in Frage?

Praktisch handelt es sich meist um Schweizer, österreichische oder deutsche Anbieter, da ein eigenständiger Factoringmarkt fehlt. Achten Sie darauf, in welcher Währung finanziert wird — Franken oder Euro — und wie Forderungen gegen Debitoren im EWR behandelt werden, da Exportforderungen oft eine niedrigere Auszahlungsquote oder ein separates Limit erhalten.

Die Bandbreiten folgen der Schweizer Factoringpraxis Stand 2026, da liechtensteinische Unternehmen in der Regel von Schweizer, österreichischen oder deutschen Anbietern betreut werden. Klären Sie Finanzierungswährung und Behandlung von EWR-Exportforderungen vorab.

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